Generalsanierung Rathaus Prinzersdorf
Teppich, Travertin, Holzpaneele aus Makoré, eine Kassettendecke aus gegossenem Gips, dazu Kristallluster aus der Nachkriegszeit. Es ist, als wäre man mit der Zeitmaschine ein halbes Jahrhundert in die Vergangenheit zurückgereist. „Prinzersdorf hat sich 1950 von Gerasdorf abgespalten und wurde damals eine eigenständige Gemeinde“, sagt Bürgermeister Rudolf Schütz. „Diese neue Identität und der Aufbruchsgeist der Zeit spiegelt sich auch in unserem 1970 errichteten Rathaus wider.“ Nachdem die Haustechnik veraltet und ein weiterer Betrieb ohne Wärmedämmung nicht mehr zeitgemäß schien, wurden Ernst Beneder und Anja Fischer mit der Erstellung einer Studie beauftragt. Es galt herauszufinden, wie man den liebgewonnen Zeitzeugen barrierefrei sanieren könne. Die beiden Architekt*innen untersuchten vier Varianten von soft bis rigoros, die Wahl fiel schließlich auf eine behutsame Sanierung light. Während die Fassade mittels Schaumglas thermisch isoliert und das Haus vom Gas genommen und an ein Nahwärmenetz angeschlossen wurde, beschränkten sich die Arbeiten im Innenraum vor allem auf Instandsetzungen, Wiederherstellungen und technische Ertüchtigung hinter den Kulissen. Zudem wurde im Untergeschoss eine kleine öffentliche Bibliothek eingerichtet. Die radikale Sanierung des Amtshauses ist das Produkt von Liebe, Demut, Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und einem respektvollen Umgang mit unseren Ressourcen – und formuliert in einem stillen Protest einen unmissverständlichen Appell an die Gesellschaft.