Stadtbootshaus Graz
Jahrzehntelang war die Mur im Bereich der Grazer Innenstadt eher ein holprig-felsig dahinströmendes Gebirgsbacherl. Mit dem Bau des Murkraftwerks zwischen Puntigam und Liebenau und der damit verbundenen Staustufe hat sich der Wasserstand gehoben und die Flussgeschwindigkeit verlangsamt. Damit kamen auch wieder alte Träume und Visionen an die Wasseroberfläche – zum Beispiel der Bau eines ganzjährig nutzbaren Stadtbootshauses anstelle der ehemaligen, am Ostufer befindlichen Murw.rterhütte. Gemeinsam mit dem lokalen Paddelclub schrieb die Stadt Graz daraufhin einen geladenen Wettbewerb aus, zu dem zehn junge Büros eingeladen wurden. Die Jury entschied sich für das Projekt der damals erst 32-jährigen Architektin Nina Maria Kuess. Der rund 40 Meter lange Betonkörper beherbergt eine Bootsgarage für Kajaks und Kanus, einen Sanitärkern mit Duschbereich und Garderoben sowie einen Vereinsraum mit Fitnessgeräten zum körperlichen Aufwärmen, bevor es ab ins kalte Wasser geht. Vor dem Bootshaus gibt es eine abgetreppte Arena mit Sitzmöglichkeiten und Blick auf die Mur, am Dach wurde eine barrierefrei begehbare Stadtterrasse errichtet. Alles in allem ein kleines, aber feines Projekt mit unendlich vielen Schnittstellen, denn das nur 200 Quadratmeter große Bootshaus musste mit Unesco, Bundesdenkmalamt, Altstadt-Sachverständigenkommission und einem Dutzend kommunaler Behörden und Magistratsstellen akkordiert werden. Hat geklappt. Kajak ahoi!