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Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der
Architektinnen und Architekten Österreichs

VinziDorf Wien

Fertigstellung
2019
Preis
Preisträger
Bundesland
Wien
Bauherr*in / Bauherren­schaft
Vinzenzgemeinschaft Eggenberg – VinziWerke, Pfarrer Wolfgang Pucher
Architekt*in
gaupenraub +/-: Mag. Arch Ulrike Schartner, Mag. Arch Alexander Hagner, DI Iris Kato
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Architekt*in
gaupenraub +/-: Mag. Arch Ulrike Schartner, Mag. Arch Alexander Hagner, DI Iris Kato
Ort
Wien
Straße
Boergasse 7
Postleitzahl
1120
Kategorie
Gewerbe- und Industriebau
Nutzung
Privat
Fertigstellungsjahr
2019
Bürositz des Architekturbüros
Wien
Tragwerksplanung
Werkraum Ingenieure, Wien
Am 5. Oktober 2015 bewilligt endlich ein Urteil des Wiener Verwaltungsgerichts die Errichtung des ersten VinziDorfes in Wien-Meidling. Die Beschwerdeführenden brachten neben kleinlichen baurechtlichen Einwänden vor, dass das Bauvorhaben den Schwarzbau befördern würde, und „dass aufgrund der Situierung in einer Schutzzone mit umliegenden Wohnhausanlagen, Kindergärten und Schulen das letztlich vom Bauwerber nach wie vor offenkundig verfolgte Ziel, nämlich die Unterbringung von nicht resozialisierbaren Alkoholkranken, abzulehnen ist.“ Maßgeblich für den letztendlichen Erfolg war nicht nur die Beharrlichkeit des kirchlichen Bauherrn, des Vereins Vinzenzgemeinschaft Eggenberg, die seit 2002 für das Projekt gekämpft hat, sondern auch die Belastbarkeit des Architekturbüros gaupenraub +/-, das für immer neue Situationen Entwürfe vorlegte, und am Ende doch keinen gestalterischen Kompromiss einging. Und das, obwohl das VinziDorf mit äußerst geringen finanziellen Mitteln auskommen muss. Ein großer Teil besteht aus privaten Spenden, oder aus ehrenamtlichen Arbeitsstunden von zum Beispiel SchülerInnen der HTL Mödling, die die Holzständerkonstruktionen der Wohnmodule errichtet haben. Die eingesetzten Materialien sowohl für den Umbau des Haupthauses, das als Gemeinschaftsraum für sanitäre Einrichtung, Küche und Geselligkeit fungiert, als auch für die Häuser für die Bewohner sind alle sehr kostengünstig, werden aber durch die Entwurfsentscheidung aufgefangen, das „Dorf“ – sieben Minihäuser mit jeweils zwei Wohneinheiten – als dicht gedrängtes Ensemble an den Rand des Grundstückes zu schieben, so dass sich der große Garten mit den wilden Blumen und den alten Bäumen in seiner ganzen Schönheit entfalten kann. Dennoch bleibt die Bebauung locker; jedes Hausmodul ist so gegen über den anderen verschoben, dass das jeweils einzige Fenster und die jeweils einzige Tür jeder Wohnung nicht auf die eines anderen Bewohners gerichtet ist. Privatsphäre, auch wenn sie nur auf neun Quadratmeter beschränkt, ist für die ehemals Obdachlosen das Wichtigste. Von hier aus entscheiden sie selbst, was sie bisher nie richtig konnten: wann und wohin sie fortgehen, andere Menschen treffen oder sich wieder zurückziehen. Das VinziDorf ist folglich nicht nur ein vorbildliches Projekt ehrenamtlichen Engagements, sondern führt auch mit all seinen gestalterisch klugen und ökonomischen Mitteln vor Augen, was unsere Existenz ausmacht.