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Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der
Architektinnen und Architekten Österreichs

Die Preisträger 2022

Nominierungen

Reisebericht der Jury

Aus dem Sonderheft von Architektur Aktuell zum BHP´22

Die Häppchen! Was hätten wir nicht alles essen können in diesen vier Tagen! Kaffee wurde uns angeboten, Prosecco eingeschenkt, Brötchen wurden serviert, Käse und Speck, Fingerfood-Salate und allerlei Schmankerln aus der Region. Aber nein, keine Zeit. Wir mussten uns voll und ganz auf die Inhalte und die – unverzichtbaren, unbezahlbar wichtigen – Eindrücke vor Ort konzentrieren, und nein, der Fahrer und Organisator duldete keinerlei, wie auch immer leichtgewichtig geartete lukullische Ablenkung. Nach 30 Minuten Lokalaugenschein war Schluss, und wir mussten hungrig von dannen ziehen. Und als hätten wir uns nicht eh schon getummelt wie nur was, mit leerem Magen und heraushängender Zunge, der Zeitplan war knapp und spröde, drückte selbiger, der Fahrer und Organisator (Name der Redaktion bekannt, behördliche Vertraulichkeit), wir in der Zwischenzeit abgefertigt mit Tankstellensalamiweckerl und Almdudler, auf den Landstraßen auf die Tube, als würde er unseren schwarzen Ford-Transit-Bus in den Kurven und Kehren immer wieder mit einem architektenschwarzen Architektenporsche verwechseln. So eine Bauherrenpreis-Juryreise quer durch Österreich, das sei an dieser Stelle mal ausdrücklich gesagt, das ist kein Bemmerl. 18 Stationen, 1.400 Kilometer auf Schotter und Asphalt, insgesamt waren wir vier Tage lang unterwegs. Auf dem Programm standen Schulen und Universitäten, Wohnbau und Hotellerie, Office und Gewerbe sowie öffentliche Räume sportlicher, kultureller und politischer Begegnung.

Die Qualität der eingereichten Projekte, die im Vorfeld von neun unterschiedlich besetzten Bundesländer-Jurys aus insgesamt 86 Einreichungen herausgepickt und nominiert worden waren, war uns eine enorme Freude. Denn: Mit jedem weiteren Stopp auf der österreichischen Landkarte haben wir gesehen, wie begeistert Bauherrinnen und Auftraggeber – ganz gleich, ob Privatpersonen, Privatwirtschaft oder öffentliche Hand – über ihre Projekte sprechen, wie stark sie sich in die Planungsprozesse einbringen, und wie wichtig ihnen eine gute, offene, transparente Kooperation und Co-Kreation mit ihren Architekt*innen ist. Die Bauherr*innen, denen wir begegnet sind, haben sich im Vorfeld über Möglichkeiten und Potenziale ihres Standortes erkundigt, sie haben Studien in Auftrag gegeben und unterschiedliche Bebauungs- und Sanierungsvarianten gegeneinander abgewogen, sie haben ihre Bedürfnisse und Bedarfe sehr klar formuliert, haben je nach Projektgröße und rechtlicher Notwendigkeit geladene oder offene Wettbewerbe ausgeschrieben, haben sich sehr intensiv in den Planungsprozess eingebracht, haben das Projekt bis zur besenreinen Schlüsselübergabe mit Leidenschaft und Kompetenz begleitet – und waren auch dann mit Ideen und Visionen zur Seite, als es mal gehakt hat und unangenehme Entscheidungen getroffen werden mussten. Und ja, unangenehme Momente gibt es im Bauen immer wieder.

Unsere Aufgabe als Jury war es, die Projekte live zu sehen, sich vor Ort ein Bild über die Qualität des Gebauten zu machen und im Gespräch mit Bauherren, Baufrauen, Nutzern, Architektinnen und Fachplanerinnen zu verstehen, wie die Prozesse ausgesehen haben und wie die Zusammenarbeit von A wie Anbahnung bis Z wie Zielgerade von statten gegangen ist. Es waren Gespräche mit schönen Anekdoten und guter Energie. Meistens hatten wir das Gefühl, dass die Projekte trotz Größe, Komplexität und diverser überraschender Wendungen doch irgendwie gut geflutscht sind.

Michaela Wolf, Armando Ruinelli und Wojciech Czaja, eine Südtiroler Architektin aus Brixen, ein Schweizer Architekt aus einem Dorf mit 100 Einwohnern und ein fast echter polnischer Wiener Architekturjournalist auf Expedition: Erzählen Sie mal etwas über sich! Warum wollten Sie dieses Projekt bauen? Wie war die Zusammenarbeit mit den Planerinnen und Planern? Warum ist das so geworden und nicht anders? Wer hatte die Idee für das eine oder andere Detail? Gab es irgendwelche Probleme, und wie haben Sie sie gelöst? Hat es jemals gehakt und geknatscht zwischen Ihnen? Was war der beste Moment, an den Sie sich erinnern? Was haben Sie voneinander gelernt? Was würden Sie heute anders machen? Und warum sollten ausgerechnet Sie mit dem Österreichischen Bauherrenpreis 2022 ausgezeichnet werden?

Begleitet wurden wir von Udo Heinrich und Wolfgang Maul von der ZV Salzburg sowie vom Hamburger Filmteam Lea Mayerhofer und Felix Kossmann, die es jedes Mal aufs Neue geschafft haben, in 30 Minuten nicht nur Häuser und ganze Gebäudekomplexe zu besichtigen, sondern auch alles mit der Kamera einzufangen und noch dazu – jedes Mal im Dialog mit Austro Control und diversen Flughafen-Towers in der Nähe – in bis zu 100 Meter Höhe über Grund einen Drohnenflug über unseren Köpfen zu veranstalten. Das Niveau auf dieser Juryreise war in jeder Hinsicht hoch. Was uns persönlich, als dreiköpfige Jury sprechend, Hoffnung gibt:Die Hälfte der insgesamt 18 besichtigten Projekte, die für den diesjährigen Bauherrenpreis nominiert waren, sind im Bereich der Bildung – der Kindergärten, Volkschulen, Mittelschulen, Hochschulen, Fachhochschulen, Universitäten und akademischen Forschungseinrichtungen – angesiedelt. Das ist einerseits überproportional viel, andererseits aber auch eine gute Investition in die Zukunft der Baukultur, die in der nächsten Generation der Architekt*innen und Auftraggeber*innen mit Sicherheit noch sensibler, noch wissender, noch kompetenter werden wird. Für diese Erkenntnis hat sich das Hungern und sportliche Herumgeschupft-Werden auf der Rückbank unseres Ford Transit mehr als gelohnt. Danke dem tollen Team, danke für die schönen Gespräche, für die Führungen durch Eure Häuser und für die liebevolle Bewirtung, die wir jämmerlich verschmäht haben.

Michaela Wolf, Armando Ruinelli, Wojciech Czaja
architektur.aktuell, 11.2022

Die Jury 2022

Michaela Bergmeisterwolf, Brixen-Südtirol
Armando Ruinelli, Soglio-Schweiz
Wojciech Czaja, Wien-Österreich